Von Torquay nach Lorne

Richtung Lorne
Nachdem wir von der Sonne geweckt wurden gings guter Laune an einen nicht allzu entfernten Strand. Ein wunderschöner, weiter und verlassener Strand. Das einzige lebendige Wesen um uns herum schien nur ein Mann in der Ferne zu sein, bis aufeinmal neben uns ein Seehund aus dem Wasser auftauchte und in den Wellen surfte. Aber direkt vor uns. Das war so ein perfekter Moment, mit dem ich niemals gerechnet hatte, schwimmen mit dem Seehund in nur ein Meter Entfernung, wieso dann nicht gleich mit ihm kuscheln, so weit wollte er dann aber doch nicht gehen.. Später sonnte er sich dann auf Felsen. Was n Leben, surfen, sonnenbaden, ist ja fast wie meins.
Naja aber zurück beim Auto durchfuhr mich dann der Schock meines Lebens. Ich öffnete die Hintertür vom Auto und schloss sie wieder mit dem Nachteil, dass ich in der Zwischenzeit die Schlüssel INS Auto gelegt habe. Und so sah es dann aus, ALLES, wirklich alles war im Auto: Geld, Handy, Werkzeug, Essen. Und wir draußen. Nach einem Moment purer Verzweiflung- meine Ballerinas flogen übern ganzen Parkplatz- versuchte ich mich zu beherrschen und auf Bonnies Einwand, wir können vielleicht jemanden fragen, fragte ich mit hängenden Schultern 3 wiederkehrende Männer: “Wisst ihr was man macht, wenn die Schlüssel im Auto eingeschlossen sind?”
Ohne zu zögern waren sie sofort an unserer Seite und experimentierten rum. Letztendlich war es denn wie ein kompliziertes Angelspiel. Mit ein paar Werkzeugen schafften die Herren einen ca. 1cm großen Spalt zwischen Fahrertür und Auto. Meine Antenne wurde zur Angel, indem sie das Ende zu einem Haken bogen. Absicht war mit dem Haken diesen Pinüppel am Fenster hochzuziehen und somit das Schloss zu entriegeln. Klingt kompliziert, war es. Die spannendsten Minuten in meinem Leben. Noch nie habe ich so mitgefiebert und siehe da es hat geklappt, wundersamerweise.
Danach konnte das schöne Leben dann weitergehen. Obwohl ich schon sagen muss die letzten Tage waren zu heiß. Über 40 Grad im Schatten und Fliegen überall. Überall wird gewarnt ins Inland zu gehen aufgrund der imensen Buschfeuergefahr und wenn dann nicht vor 4 Uhr. Somit verbrachten Bonnie und ich den Tag an der Küste, hauptsächlich in Lorne. Um ehrlich zu sein waren wir so planlos und rastlos bis wir dann beschlossen haben zu den Erskine Falls zu fahren. Die waren wunderschön und definitiv die 14 Kilometer ins Inland wert und auch sehr gut besucht also sicher. Während ich gerade die Steine zum Wasserfall hochkrabbelte um endlich mal wieder eine “Dusche” zu genießen, musste ich feststellen, dass ich auf einem Auge erblindete –> Migräne. Aber vom feinsten. Egal hab den Wasserfall noch ausgekostet und es war ein herrliches Gefühl und erfrischend unter dem Wasserstrahl. Zurück zum Parkplatz zu kommen stellte sich halb blind auf glitschigen und kantigen Steinen als Herausforderung raus aber ich habs zum Auto geschafft. Doof nur, dass ich niemals in diesem Zustand Auto fahren kann. Somit habe ich mich erstmal zu Bett gelegt und gehofft schlafen zu können, ging kaum. Aber nach zwei Stunden Erholung gings mir besser – komischerweise, aber die Migräne war aufjedenfall noch da. Es war halb acht im Abend und dämmerte schon und da ich nicht unbeding die gesamte Nacht irgendwo im Busch verbringen wollte, rappte ich mich auf zurück zu fahren. Irgendwo ausserhalb von Lorne fanden wir einen wunderschönen Platz direkt am Strand und dort blieben wir die Nacht über. Der nächste Morgen fing dann wieder wunderschön an mit einen der schönsten Sonnenaufgänge, den ich in meinem Leben gesehen habe. Migräne war vergessen.
Plan war denn: Dusche finden, die letzte war n bisschen her.
Währenddessen wurde es zunehmend heiß und jede Bewegung kostete Unmengen Wasser. Letztendlich endeten wir in einem Café, tranken einen frischgepressten gekühlten Saft und nutzten dort das Waschbecken für die gröbste Reinigung, zB Zähneputzen..
Danach erfuhren wir wie gut es auszuhalten ist, wenn man im Wasser steht und Bonnie war zum ersten mal im Meer und war fasziniert. Später gegen 4 Uhr kühlte es rapide ab und eine 1Dollar2MinutenDusche brachte das nötigste zum frischfühlen. Im Abend stieß erfreulicherweise mein Roommate Fabio zu uns. Mit einer Person mehr im Gepäck und Bier und Cider gings dann wieder raus aus Lorne entlang der schönen Küstenstraße zum Cumberland River. Dort blieben wir dann auf einem schon geschlossenen Campingplatz und kochten. Später gingen wir zum Strand und philosophierten über das Leben. Fabio und ich steckten gerade mitten in einer Diskussion über Gott und Religion und ihren Ursprung als hinter mir aufeinmal ein Schatten auftauchte. Ich erschrak und machte fabio drauf aufmerksam und da waren doch tatsächlich zwei Füchse direkt hinter uns. Und da das noch nicht genug ist leuchtete der rote Vollmond hinter Wolken und einem Hügel auf, beleuchtete den Ozean. Was für ein Filmmoment, den ich immer in meinem Kopf behalten werde.

2 thoughts on “Von Torquay nach Lorne

  1. muddi

    Du kannst Sachen erleben. Soll Jonn Dir einen Schlüsselanhänger zum Umdenhalshängen mitbringen? Ansonsten: immer wieder toll hier von Dir zu lesen.

    • EllaLu

      Hab jetzt provisorisch mein zopfgummi rangemacht und trage den Schlüssel jetzt immer um arm :)
      <3

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